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Alarmzeit

Dienstag, 18. November 2014, 02:49 Uhr

Alarmierte Stufe

Brand 3 Wiernsheim

Eingesetzte Kräfte

HLF 20/16 Wiernsheim
LF 8 Wiernsheim
MTW Wiernsheim
LF 8/6 Iptingen
MTW Iptingen
LF 8 Pinache
MTW Pinache
LF 8/6 Serres
MTW Serres
ELW 1 Mühlacker
HLF 16/12 Mühlacker
Drehleiter Mühlacker (DLK 23-12)
Polizei
DRK-Helfer vor Ort Wiernsheim
Rettungsdienst mit RTW
stv. Kreisbrandmeister
Bürgermeister

Dachstuhlbrand, Wiernsheim

"Da brennt ein Haus. . . !"

Alarmiert mit dem Stichwort "Brand und Leben", wurde die Feuerwehr Wiernsheim in voller Stärke mitten in der Nacht aus den Betten gerissen. Um 2. 49 Uhr erfolgte die Alarmierung nach Stufe 3. Das bedeutet: Für alle Feuerwehrleute aus Wiernsheim, Pinache, Serres und Iptingen sowie die Löschzugbesatzung aus Mühlacker, den (stellvertretenden) Kreisbrandmeister und die DRK-Helfer vor Ort zur Absicherung war in diesem Moment die Nacht rum.

Von Tiefschlaf auf Brand mit Menschenleben in Gefahr umstellen - der Adrenalinschub war gewaltig. Umso verwirrender dann die erste Meldung, die sich ergab, nachdem der Einsatzauftrag von der Leitstelle eingeholt war. Brannte nun ein Haus oder doch nur die Hecke neben einem Haus? Die Feuerwehrleute, die sich gerade noch im Wachwerden die Einsatzkleidung anzogen, wussten nicht, was sie erwartet. Ebenso der erste Zugführer, der mit dem MTW voraus zur Einsatzstelle fuhr und mit der Leitstelle funkte: "Brennt jetzt ein Haus oder eine Hecke? Und dafür alarmiert Ihr in Stufe drei?!?" Kaum eine Minute später gab er allerdings von der Einsatzstelle aus den nächsten Funkspruch ab, um die Sachlage zu klären: "Da brennt ein Haus. . . !" --- Adrenalinschub Nummer zwei für alle, die das mitgehört haben.

Im Wiernsheimer Wohngebiet "Im Kazenloch" hatte sich ein Feuer offenbar von außen in den Bereich des Dachstuhls gefressen. Beim Eintreffen der Feuerwehr waren noch Menschen im Gebäude, die einen Löschversuch unternahmen. Es war ein Glück, dass die Leitstelle aufgrund der Notrufe nicht nur von einem Heckenbrand ausgegangen war, sondern gleich Vollalarm ausgelöst hatte. Zurecht waren die Diensthabenden davon ausgegangen, dass sich noch Menschen in Lebensgefahr befanden.

Tatsächlich musste der zuerst eintreffende Zugführer zwei Personen dazu veranlassen, ihren Löschversuch abzubrechen, und sich schnellstens vor dem giftigen Rauch in Sicherheit zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Flammen von einem Mülltonnen-Abstellplatz bereits ins Dachgebälk und ins Gebäudeinnere gefressen. Während die ersten Löschfahrzeuge eintrafen, breitete sich der Brand rasant auf große Teile des Dachs aus. Das lässt darauf schließen, dass sich das Feuer schon längere Zeit entwickeln konnte, bevor es bemerkt wurde, und entsprechend Energie gesammelt hatte. Außerdem bestand akute Gefahr, dass sich der Brand auch noch auf ein direkt angebautes Gebäude ausbreitete.

Dadurch, dass schon eine Führungskraft vor Ort war, ließ sich von Anfang an eine Raumordnung an der Einsatzstelle durchziehen. Außer dem HLF 20/16 und der Drehleiter sollte kein weiteres Fahrzeug direkt vors Haus fahren. Immerhin waren unterm Strich (mindestens) sechs Löschfahrzeuge, einige MTW und weitere Einsatzfahrzeuge von DRK, Rettungsdienst und Polizei zu erwarten. Das klappte gut. Die LF8 der Abteilungen fuhren von hinten her an, der Platz direkt vor dem brennenden Haus blieb übersichtlich.

Weniger übersichtlich war dagegen die Gefahrenlage in der Anfangsphase, die nicht umsonst bei jedem Einsatz "Chaosphase" heißt. Neben den zwei Personen, die versucht hatten, das Feuer doch noch irgendwie in Griff zu bekommen, gab es Meldungen über einen weiteren Mann im Keller und eine ältere Frau im Nachbargebäude. Und genau für dieses Gebäude bestand höchste Gefahr, weil es angebaut war und sich das Feuer so schnell ausbreitete. Nachdem die Bewohnerin auf Klingeln, Klopfen und Rufen nicht reagierte, wollte der Zugführer gerade eben den Befehl zum gewaltsamen Öffnen des Hauses geben. Da wurde im Obergeschoss ein Rolladen hochgezogen. Die Frau kam eigenständig aus dem Haus. Ein Trupp kühlte das Dach permanent mit Wasser, so dass ein Übergreifen des Brandes verhindert wurde.

Bei dem Haus, dessen Dach brannte, ließ sich nur mit viel Wasser ein Löscherfolg erzielen. Im Innenangriff, von der Seite und vom Korb der Drehleiter aus wurde die Ausbreitung der Flammen bekämpft. Dadurch, dass es in der Holzkonstruktion brannte, die aber zumeist noch von Dachziegeln bedeckt war, gestalteten sich diese Arbeiten relativ aufwendig. Mehrere Trupps unter Atemschutz waren hierfür eingesetzt. Weil zu diesem Zeitpunkt schon absehbar war, dass sich das Löschwasser seinen Weg durch die Stockwerke des Hauses bahnen würde, kamen schon relativ früh auch zwei Wassersauger zum Einsatz. Einer war als Standardbeladung des Wiernsheimer LF8 schon vor Ort, einer wurde aus einem Feuerwehrhaus herbeigeschafft. Parallel dazu verschoben zwei Trupps in der Wohnung Mobiliar aus einem nassen in einen trockenen Bereich.

Die Betroffenen fanden während der Löscharbeiten bei Nachbarn und im Krankenwagen des DRK Unterschlupf. Praktisch von Anfang an war auch Bürgermeister Karlheinz Oehler an der Einsatzstelle, der sich als Beinahe-Nachbar von dem Geschehen selbst betroffen zeigte. Sehr angenehm für alle Helfer war die Tatsache, dass gegenüber der Brandstelle ein ehemaliger Feuerwehrkamerad wohnt, der sich mit seiner Frau um Kaffee kümmerte und auf Campingtischen einen kleinen Stand mit Kannen, Tassen, Milch und Zucker aufbaute. Frische Weckle wurden lange vor Sonnenaufgang beim Bäcker geholt.

Nachdem das Feuer aus war und die Feuerwehr den ausgebrannten Dachstuhl ein letztes Mal auf Glutnester überprüft hatte, konnte ein Dachdecker die provisorische Abdichtung mit Plastikplanen übernehmen. Denn ausgerechnet am Tag des Brands herrschte Regenwetter. Den Sachschaden beziffert die Polizei auf rund 150. 000 Euro. Als Ursache für den Dachstuhlbrand wird angegeben, dass sich das Feuer von den Mülltonnen her ausbreitete.

Autor: FF Wiernsheim,     Erstellt: 25. 12. 2014,     Aktualisiert: 31. 03. 2020,    

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